Shunt
Portosystemischer
Shunt
von Allana Kasperczyk ( cand. vet.
med.)
Im
normalen Blutkreislauf fließt das Blut, welches an Verdauungsorganen wie
Bachspeicheldrüse, Leber, Galle und Darm vorbeigeflossen ist und auf seinem Weg
die aufgespaltenen Bestandteile der Nahrung aufgenommen hat in ein großes Gefäß,
die Pfortader.
Die
Pfortader leitet das Blut in die Leber, wo es gefiltert und verschiedenen
Reinigungsprozessen unterworfen wird.
Einer
dieser "Reinigungsprozesse" ist das Herausfiltern des Ammoniaks,
welcher bei der Eiweißverdauung entsteht.
Ammoniak
wirkt im Körper als Gift und greift besonders Nervenzellen und das Gehirn stark
an, daher ist es wichtig, Ammoniak schnell und mit möglichst wenig Schaden aus
dem Körper zu schleusen.
In
der Leber wird freier Ammoniak mit verschiedenen chemischen Stoffen verbunden,
welche die Giftwirkung des Ammoniaks aufheben. Diese Verbindung wird Harnstoff
oder Urea genannt.
Der
so gebundene Ammoniak kann also ungiftig als Harnstoff im Blut transportiert
werden, bis ihn die Nieren herausfiltern und er im Endeffekt mit dem Urin
ausgeschieden wird
Kommt
es aus irgendeinem Grund dazu, dass das Blut, welches an den Verdauungsorganen
vorbeigeflossen ist, die Leber nicht passiert, verbleibt der freie Ammoniak im
Kreislauf und wird von ihm überall hin transportiert.
Auf
diesem Wege gelangt der giftige Ammoniak an Nervenzellen und und sogar in das
Gehirn.
Gerade
im Gehirn ist Ammoniak besonders gefährlich, Zellen werden zerstört und ganze
Areale können nicht mehr richtig arbeiten.
Ein
Grund dafür, dass der freie Ammoniak nicht von der Leber gefiltert werden kann,
ist, dass sich eine direkte Verbindung zwischen der Pfortader und der großen Körpervene
befindet, die einen Großteil des Blutes nicht durch, sondern an der Leber
vorbeifließen läßt.
Dieses
Gefäß nennt sich Shunt.
Wenn
es ein einzelnes Gefäß ist, welches das Blut umleitet ist es ein single Shunt,
sind es mehrere, ist es ein multipler Shunt.
Der
Shunt kann angeboren oder erworben sein, was von Bedeutung ist, da er scheinbar
auf rezessivem Wege unter Verknüpfung einiger ungünstiger genetischer Faktoren
vererbt werden kann.
(Utrecht
forscht und versucht einen Gentest
zu entwickeln)
Weiterhin
unterscheidet man, ob dieses Gefäß in der Leber liegt (intrahepatisch) oder außerhalb
der Leber (extrahepatisch).
Intrahepatisch
: Mißgebildete Gefäße , die sich innerhalb der Leber
ausbilden zwischen Pfortadersystem und der großen Körpervene (Vena cava
caudalis).
Auch
kann es einfach sein, dass ein Gefäß, welches den Kreislauf des Embryos
im Mutterleib mit dem Nabelgefäß verbindet, und so die Verbindung zum
Kreislauf der Mutter bildet bei der Geburt einfach geöffnet bleibt.
Leider
dient dieses Gefäß auch zum Schutz der Leber des Ungeborenen und entlastet die
sich entwickelnde Leber indem es das Blut des embryonalen Kreislaufs an dieser
vorbeileitet.
Normalerweise
schließt sich dieser "Ductus venosus" beim Hund spätestens 3-4 Tage
nach der Geburt, ist dies nicht der Fall, liegt auch hier ein intrahepatischer
single Shunt vor.
Extrahepatisch
: Ein einzelnes oder mehrere Gefäße außerhalb der Leber die das Blut der
Pfortader umleiten direkt zum Leberanteil der Vena cava caudalis.
Ist
der Shunt angeboren, ist es oft ein einzelnes Gefäß.
Ist
der Shunt jedoch erworben sind
oftmals mehrere Gefäße
ausgebildet, da diese Shuntform aus
einer Drucküberlastung der Pfortader entsteht,
und der erhöhte Druck zu einer
Erweiterung der auch beim gesunden Tier vorhandenen, aber sehr kleinen
Verbindungsgefäße führt.
Diese
werden so stark
vergrößert, dass sie einen Großteil des Pfortaderblutes direkt in die
V. cava caud. umleiten.
2. Rasseprädispositionen beim Hund
für den angeborenen Shunt
2.1
einzelner extrahepatischer Shunt
Shih
Tzu
Zwergschnauzer
Yorkshire Terrier
Dackel
Malteser
Pudel
Lhaso Apso
Pekinese
Mops
Im
allgemeinen bilden Katzen auch einen extrahepaitschen Shunt aus.
2.2
Intrahepatischer Shunt
Oft
bei Großen Hunderassen
z.B.
Deutscher Schäferhund
Golden Retriever
Irish Setter
Irish Wolfhound
Samojede
3.Symptome
Oft
bemerkt man, dass ein Welpe nur langsam wächst und kleiner bleibt als
die anderen, wenig Appetit zeigt und auch zu Erbrechen und Durchfall neigt.
Auch
kann es sein dass das Tier plötzlich oder allmählich an Gewicht verliert und
energielos und schlaff wirkt.
Ab
und zu kann es auch zu einer Bauchwassersucht kommen, und der Bauch des Tieres
sieht wohlgenährt aus, obwohl das Tier an sich eigentlich mager erscheint.
Auch
Harnsteine oder Harnkristalle können ein Hinweis auf einen Shunt sein.
Sofern
man seinen Welpen sehr gut kennt kann man manchmal auch beobachten, dass das
Tier depressiv ist.
Welpen
mit einem Lebershunt können auch Symptome zeigen, die darauf hindeuten dass das
Gehirn bereits angegriffen ist, Kopfpressen (oft in eine Ecke oder gegen Möbel)
ist z.B. So ein Anzeichen, oder auch eine Orientierungslosigkeit. Manchmal
laufen die Welpen ständig auf und ab, manchmal auch immer nur im Kreis.
Es
kann auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit beobachtet werden, oder das Gehirn
des Tieres ist schon so sehr geschädigt, dass es bereits blind geworden ist.
Im
späten Stadium kann man auch
epilepsieähnliche Anfälle beobachtet werden und noch später fällt das Tier
in ein Koma.
Die
Besitzer berichten im allgemeinen dass der Welpe ungewöhnlich ruhig und
friedlich ist und die Symptome nur oder fast nur nach den Mahlzeiten auftreten.
Die
Symptome können gehäuft auftreten, jedoch wurden auch schon Tiere mit einem
Shunt beobachtet die nur ein einziges dieser Symptome zeigten. Je größer der
Shunt ist, desto schwerer und schneller treten die Symptome auf.
Wenn
der Shunt klein ist, kann es unter Umständen auch sein, dass der Hund einfach
als schwach und kränklich eingestuft wird und der eigentlichen Ursache nie auf
den Grund gegangen wird. Solche Tiere leben nur sehr kurz und leiden ständig unter ihrer Krankheit.
Die
Symptome können, abhängig vom Schweregrad recht früh oder recht spät
auftreten.
Normalerweise
treten sie jedoch frühestens in der 7. oder 8 Woche auf. In den meisten Fällen
erst in der 11. Woche.
Auch
im Alter von mehreren Monaten, bei einem leichten
kongenitalem Shunt können
die Welpen zum ersten mal Symptome entwickeln. In der Literatur findet man
Angaben bis zum Alter von 1,5 Jahren, jedoch ist dann ein erworbener Shunt nicht
auszuschließen.
Da
der Lebershunt auch generell nach hepatischen Erkrankungen auftreten kann, ist
ein erstmaliges Aufkommen der Symptome bei der erworbenen Form in jedem Alter möglich.
4.
Diagnostik
4.1
Bluttest :
Es
besteht die Möglichkeit über den Ammioniakgehalt
vor und nach Fütterung oder
über den Gallensäurengehalt vor und nach Fütterung
einen Shunt relativ sicher zu bestimmen.
Hierzu
müssen die Tiere für 12 Stunden fasten und bekommen dann Blut abgenommen.
Danach
werden die Tiere gefüttert und ca 120-90 Minuten später wird eine erneute
Blutprobe genommen.
Bei
der Fütterung ist darauf zu achten, dass jeder Welpe genug frisst, da sonst die
Ergebnisse verfälscht werden. Ist der Wurf sehr groß, sollten die Welpen
jeweils in Gruppen von 3-4 Tieren unter Beobachtung gefüttert werden.
Man
kann zum einen den freien Ammoniak im Blut messen als auch die Gallensäuren.
Allerdings
zeigen die neuesten Erkenntnisse der britischen 'Vetlabs' dass die herkömmlichen
"Utrechter Ammoniak" Tests nicht eindeutig sind.
Hund
:
|
Ammoniak Test
|
12h
gefastet |
90-120
min nach Fütterung |
Fehlerquote |
|
gesund |
unter
125 µmol/ l |
unter
280 µmol/l |
aus
247 Hunden 31 falsch positiv |
|
krank |
über
125 µmol/l |
über
290 µmol/l |
aus
247 Hunden 1 Welpe falsch positiv, 1 Welpe falsch negativ |
Beim
Gallensäuretest sind die Werte
genauer :
Gallensäuren
werden von der Leber gebildet und in den Darm abgegeben, wo sie bestimmte
Nahrungsbestandteile aufspalten. Im Enddarm werden sie wieder ins Blut rückresorbiert
und zur Leber transportiert, die sie herausfiltert und zum Wiedereinsatz
aufbereitet.
Werden
hohe Gallensäurewerte gemessen und steigen diese nach der Fütterung auch noch
ungewöhnlich stark an, geht man davon aus, dass das Blut welches vom
Verdauungsapparat kommt nicht zur Leber gelangt.
Obwohl
die Werte nach dem 12 stündigen Fasten der Welpen sich noch überlappten, gaben
die Werte 90- 120 min nach der Fütterung ein wesentlich klareres Bild, da sich
die gesunden Hunde absolut von den kranken unterschieden und selbst der höchst
gemessene negativ-Wert immer noch
stark unter dem niedrigst gemessenen positiv-Wert lag.
|
Gallensäure Test |
90-120
min nach Fütterung |
Steigerung
des Wertes |
|
gesund
|
unter
30 µmol/l |
unter
20 µmol/l |
|
krank |
über
50µmol/l |
über
25 µmol/l |
Auch
ist es wichtig beim Test darauf zu
achten, dass Hunde, die mit ihren
Wurfgeschwistern im Durchschnitt
einheitliche Werte erreichen, auch bei der oberen Grenze als gesund zu erachten
sind. Hunde die in ihren Werten stark
von den Werten ihrer Wurfgeschwister abweichen sind grundsätzlich als verdächtig
einzustufen und müssen wiederholt getestet werden.
4.2
physikalische Diagnostik
Weiterhin
kann man auch andere diagnostische Maßnahmen nutzen um entweder die Bluttests
zu bestätigen oder Tiere, die unter starken Symptomen leiden schneller
behandeln zu können.
4.2.1Ultraschall
Vorteile
: nicht invasiv, erfordert keine Anästhesie
Nachteile
: Die Erkennung eines Shunts erfordert etwas Geschick und Erfahrung. Zu leicht können
kleinere Shunts übersehen werden.
So
ist diese Methode immer stark vom Tierarzt abhängig.
Cave!
Mit Hilfe des Ultraschalls kann immer nur ein positiv Befund sicher
diagnostiziert werden, wohingegen ein Shunt niemals sicher nur mit Hilfe des
Ultraschalls ausgeschossen werden kann!
4.2.2
Rektale Szintigraphie
Hierzu
muss der Hund mehrfach ein Abführmittel und Einläufe
verabreicht bekommen, denn der Darm des Patienten muss komplett leer
sein. Auch muss der Hund während der Szintigraphie völlig ruhig liegen, also
ist der Patient auch in Narkose/
bzw. tiefe Sedation zu verbringen.
Eine
radioaktive Substanz mit sehr kurzer Halbwertszeit (Tc-pertechnetate) wird in
den Enddarm injiziert. Nun absorbiert das Magen-Darm System die Substanz und
diese reichert sich in Herz und Leber
an.
In
einem gesunden Tier reichert sich die Substanz zuerst in der Leber an, um dann langsam in die Lebervene zu
gelangen, von wo aus sie in die große Körpervene und dann
zum Herzen transportiert wird.
Ist
ein Leberhunt vorhanden fließt eine (je nach Schweregrad des Shunts
unterschiedliche) Menge der Substanz an der Leber vorbei direkt ins Herz.
So dass die radioaktive Substanz zuerst im Herzen gemessen wird und erst nach
und nach in der Leber .
Diese
Methode ist diagnostisch eine sehr sichere, jedoch von der Durchführbarkeit
eher als problematisch einzustufen.
Ein
großer Nachteil ist, dass das Tier für
mindestens 24 Stunden nach dem Test isoliert unter Beobachtung verbleiben muss,
bis die radioaktive Substanz komplett ausgeschieden
wurde.
Ein
anderer Nachteil ist, dass nicht jede Klinik diese Methode anbietet.
4.2.3
Portogram
Das
Tier wird in Narkose gelegt und der Bauch wird mit einem kleinen Einschnitt eröffnet. Ein Katheder
wird in ein Darmgefäß gelegt und ein gefäßverträgliches Kontrastmittel wie
z.B. Iopamidol (Solurast 200M)
injiziert.
Mehrere
Röntgenbilder hintereinander oder die C-Röhre zeigen nun die Aufzweigungen der Pfortader und
nach und nach dann den Eintritt des Kontrastmittels in die große Körpervene
und noch später in das Herz.
Bei
einem Shunt sieht man wie ein Gefäß das Kontrastmittel vom Darmgefäß an der
Leber vorbei direkt in die Körpervene und dann in das Herz geleitet wird.
Dies
ist eine sehr zuverlässige Methode um den Shunt an sich, als auch seine genaue
Lokalisation und Ausprägung zu erkennen.
4.2.4
Probelaparotomie
Der
Vorteil dieser Methode liegt ganz klar in der Möglichkeit sowohl die Diagnose
als auch die therapeutische Maßnahme in einem Schritt anzugehen.
Ein
Nachteil der Methode ist die Schwierigkeit besonders intrahepatische Shunts
sicher zu erkennen.
Da
mehrere diagnostische Wege zum Erkennen eines Portosystemischen Shunts führen,
wird es im Endeffekt am Tierarzt und Besitzer
und dem Zustand des Patienten liegen, welcher Weg eingeschlagen wird.
5.
Behandlung
Ist
eine Anomalie im Pfortadersystem sicher diagnostiziert, sind die häufigsten
drei Therapieansätze :
5.1
Die Euthanasie
Da
oft Züchter besonders junge Tiere mit bekannter Rassepraedisposition routinemäßig
vor dem Verkauf untersuchen
lassen, und der Verkauf betroffener Tiere sehr schwierig ist, und auch in
Anbetracht der Tatsache dass die
heutigen Operationserfolge überaus dürftig sind, werden in solchen Fällen
nach wie vor die meisten betroffenen Tiere euthanasiert.
Auch
sollte man bei inoperablen Shuntformen oder mehreren fehlgeschlagenen
Operationsversuchen durchaus das Tier erlösen, da das hepathoencephale Syndrom
(erhebliche Schädigung des Gehirns durch Ammoniak und andere Gifte, die von der
Leber nicht beseitigt wurden) zwangsläufig zur schleichend fortschreitender
Demenz einhergehend mit mit
erheblichen Störungen des Allgemeinbefindens und sogar letztendlich zum Tode führen
wird.
5.3
konservative Möglichkeiten
Eine
Heilung ist mit einer konservativen Therapie ausgeschlossen, jedoch können
Symptome dadurch abgemildert werden und der Hund im Vorfeld einer Operation in
einen besseren Allgemeinzustand verbracht werden.
Von
der dauerhaften Konservativen
Therapie ist in der Regel allerdings abzuraten, da die Funktionsstörung der
Leber infolge der mangelnden
Durchblutung nicht durch medikamentöse Maßnahmen zu unterbinden ist. So wird
das Tier mehr oder weniger schnell
seinen Leiden erliegen und wird bis
dahin in einem sehr schlechten Allgemeinzustand
verbleiben.
Therapieansatz:
Laktose
wird abführend eingesetzt um die Absorption von Ammoniak und anderen Toxinen
aus dem Magen-Darm-Trakt herabzusetzen.
Das
Tier sollte unter Antibiose gestellt werden um die Anzahl der Bakterien im Magen-Darm-Trakt zu
reduzieren, die Ammoniak und andre Toxine bilden. Hierbei haben sich Neomycin,
Metronidazol und Ampicillin bewährt.
Eine
kontrollierte proteinarme Diät ist notwendig, da der Aminosäure-Kreislauf
unumgänglich zu freien Ammoniak im Blut führt, auch die Bakterien im
Magen-Darm-Trakt nutzen die Proteine der Nahrung für ihren eigenen Stoffwechsel
wodurch wieder Ammoniak und andere Toxine im
Darm angereichert werden.
Da
das erkrankte Tier bereits unter
einer Proteinarmut ( Anzeichen Bauchwassersucht!) leiden kann, ist es wichtig
die Proteinquantität zu senken,
jedoch die Proteinqualität erheblich zu erhöhen.
Manche
Tiere sind durch den Shunt bereits so geschwächt und dehydriert, dass auch
Infusionen in Betracht zu ziehen sind.
5.3
chirurgische Möglichkeiten :
Eine
Kontraindikation für einen chirurgischen Eingriff ist das Bestehen eines
portalen Hochdrucks von > 15
cm H2O- oder > 11mm Hg-Säule im Vergleich zum Druck in der Vena cava
caud.
Um
eine tatsächliche Heilung des Tieres zu erreichen ist eine Operation unumgänglich.
Das Gefäß welches das Blut an der Leber vorbeileitet sollte dauerhaft
verschlossen werden um so einen normalen Blutkreislauf wieder herzustellen.
Es
gibt einige unterschiedliche Methoden.
Grundsätzlich
ist davon abzuraten das Gefäß
sofort komplett zu verschließen,
da dadurch plötzlich eine extreme
Blutdruckerhöhung im Pfortadersystem auftritt. Dies kann zur Folge haben, dass
sich ein Rückstau des Blutes entwickelt. Die Kapazität der Pfortader wird überlastet
und es bilden sich neue Shunts aus. (die Beseitigung des angeborenen Shunts führt
zum erworbenen.)
Auch
kann es dazu kommen dass die
mangelhaft ausgebildete Leber überlastet wird und sich das Blut intrahepatisch
im Pfortadersystem staut und der Rückstau sich bis in den Magen Darm Trakt und
Pankreas fortsetzt.
Diese
"Portale Hypertension" kann innerhalb weniger Stunden zum Tode führen.
So
sollte das Shuntgefäß (die Shuntgefäße) während der ersten
Operation zunächst nur verengt und nach ca. 1-2 Monaten in einer erneuten
Operation gänzlich verschlossen werden.
So
hat die Leber genug Zeit um sich an den vermehrten Blutfluss zu gewöhnen.
Eine
andere Methode ist das Anbringen eines "Ameroid Constrictor"- Ringes
um das zu verschließende Gefäß.
Dieser
Ring besteht aus dehydriertem Eiweiß (Casein) um welches sich ein Metallring
legt . Wird der Ring nun um das Gefäß gezogen, fängt das Casein langsam an zu
quellen und da der Metallring eine Ausdehnung nach außen nicht erlaubt, verengt
sich der Ringe und mit ihm das
Shuntgefäß. Außerdem bewirkt das Casein eine Entzündung des Gefäßes,
welche den Verschluss unterstützt.
Der
Ring verschließt das Gefäß innerhalb eines für das Tier individuellen Zeitraumes (von 10 Tagen bis hin
zu 3 Monaten).
6.
Anästhesie
Wegen
der Beeinträchtigung des Leberstoffwechsels sollte die Dosis der Anästhetika so gering wie möglich
gehalten werden.
Eine
Inhalationsnarkose ist empfehlenswert.
Um
den Eingriff zu erleichtern sollte auch ein Muskelrelaxan gegeben werden
(z.B. Atracurium: 0,2 mg/kg i.v.)
7.
Nachbehandlung
Das
Tier sollte 2-4 Tage nach der
Operation unter Beobachtung gehalten werden um eine adäquate Schmerztherapie zu
ermöglichen und auch eventuelle Komplikationen sofort behandeln zu können.
Die
darauffolgenden 10-14 Tage sollte
das Tier streng an der Leine
gehalten werden.
Auf
eventuelle Shuntsymptomatik (Anfälle, Depression ....) sollte vermehrt geachtet
werden. Postoperativ kann eine portale Hypertension auftreten
und daher sollte das Tier
regelmäßig in den ersten Wochen zur Kontrolle vorgestellt werden.
(Symptome
eines portalen Hochdrucks : Schwellung des Abdomens, akuter schwerer Durchfall
und Erbrechen, Depression.)
Nach
einigen Wochen sollte ein Verschluss des Shunts mittels eines Portograms
nachgewiesen werden.
Gegebenenfalls
reicht auch ein erneuter Gallensäure-Test aus.
Da
in den ersten 1-3 Monaten ein
kompletter Schluss des Shunts eventuell noch
nicht stattgefunden hat sollte die Behandlung, die vor der Operation
stattgefunden hat fortgeführt werden, und besonders die proteinarme Diät
weiter gefüttert werden.
Die
Futterumstellung sollte 3 Wochen nach nachgewiesenem Verschluss des Shunts
langsam erfolgen.
8.
Komplikationen und Prognose
8.1
früh auftretende Komplikationen:
(bis
ca. 1 Monat nach der Operation)
Eine
der häufigsten frühen Komplikationen ist der bereits erwähnte Portale
Hochdruck.
Abgesehen
von einem durch die Operationstechnik verursachten Portalen Hochdruck
(sofortiger kompletter Verschluss des Shuntgefäßes)
können auch andere Faktoren eine Rolle spielen, unter anderem, eine zu
früh beginnende Thrombose des Shuntgefäßes durch die provozierte Entzündung
oder ein Abknicken des Gefäßes durch das Gewicht des Ameroid Ringes.
Eine
seltenere Komplikation sind Anfälle nach der Operation. Die genauen Ursachen
sind noch unklar, wenn Anfälle auftreten, dann in der Regel erstmalig bis zu 3
Tagen nach der Operation. Die Anfälle lassen sich nicht, oder nur sehr schwer
in den Griff bekommen und diese Tiere werden in aller Regel kurze Zeit nach der
Operation euthanasiert.
Eine
noch seltener Auftretende Komplikation ist ein Zerreissen des Shuntgefäßes,
die sog. Ruptur.
Das
Risiko einer Ruptur hängt stark mit der Lokalisation des Shunts zusammen. Shunt
Gefäße die an der dem Zwerchfell zugewandten Seite der Leber laufen sind
wesentlich komplizierter zu erreichen und können während der Operation
zerrissen werden.
Wenn
das Gefäß komplett verschlossen oder repariert werden kann, oder wenn ein
aditioneller Shunt künstlich angelegt werden kann, besteht eine Überlebenschance.
Die
Mortalitätsraten aufgrund der Komplikationen der
PSS Operation variieren von 2,11 bis 14,2 %.
Jedoch
verbessern sich die Überlebenschancen für das Tier stetig, da immer mehr
Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt werden.
8.2
späte Komplikationen:
Die
Shuntsymptome können auch nach der
korrekt durchgeführten Operation bestehen bleiben. Einer der Gründe kann ein
erworbener multipler Shunt sein, der sich nach der Operation durch den portalen
Hochdruck entwickelte.
Im
Gegensatz zu dem akuten portalen Hochdruck der noch während der Operation
auftritt ist diese Form eine sich langsam entwickelnde, da der Körper sich auf
die erhöhten Druckzustände einstellt und die vorkommenden kleinen Verbindungsäste
zwischen den Gefäßen vergrößert.
Leider
kann man weder Voraussagen bei welchen Tieren sich diese späte Form des
portalen Hochdrucks ausbilden könnte, noch kann man diesen multiplen Shunt zur
Zeit beheben.
Diese
Tiere werden dann konservativ behandelt werden müssen und die Prognose ist eher
fraglich. Die Lebenserwartung solcher Tiere variiert zwischen 2 Wochen und 2-3
Jahren.
Ein
anderer Grund für das Wiederkehren der Shuntsymptome
nach dem Eingriff, ist auch das nicht vollständige Verschließen des
Shuntgefäßes beim zweiten Eingriff. Manchmal ist der Blutdruck in der
Pfortader so hoch, dass ein kompletter Verschluss nicht möglich ist, in solchen
Fällen verbessert sich der Patient in aller Regel zuerst, um dann wieder die
gewohnte Symptomatik zu entwickeln.
Auch
hier ist eine konservative Weiterbehandlung nötig.
Eine
Studie gab an das 41% der Tiere, bei denen nur eine Verengung des Gefäßes möglich
war, in den nächsten 2 Jahren wieder einen kompletten Shunt ausgebildet hatten.
Wieder
ein anderer Grund für das Wiederkehren der Symptome kann auch ein unvollständiger
Schluss des Ameroid Ringes sein, der zu einem erworbenen multiplen Shunt führt.
Bei
ca. 22% der behandelten Tiere schloss der Ring unvollständig.
9.
Kosten
Operationskosten
betragen derzeit je nach Operationsmethode 800 bis 1500 EUR.